Bestell-Link zum Digipack CD-Album "Harald Gramberg - Gravitation", Release 25.11.2017

Besprechung der einzelnen Titel auf dem CD-Album "Gravitation", erschienen über Clostridium Records in Bochum:

(Geschrieben von Daniel Wieland, 09.12.2017)


Karma:
Fast fünf Minuten leistet das sich spannend aufbauende Vorspiel mit Synthesizern und Vocodern ganze Arbeit und stimmt mental geschickt auf den folgenden Klangkosmos des Ausnahmekünstlers ein. Dann offenbart sie sich endlich dem Hörer. Die Rede ist von der herrlichen Weltraumorgel im neuen Track Karma, welche die spirituelle Gedankenmesse zeremoniell andächtig einläutet. An dieser Stelle spricht die Musik dort, wo Worte längst versagt haben und bedeutet den Hörer zu mehr Achtsamkeit diesem wunderbaren Planeten gegenüber.

 

Gravitation:
Das klangliche Meisterwerk Gravitation beginnt Grambergtypisch gewohnt mystisch und lässt die individuelle und spirituelle Suche nach etwas Anderem, fern des irdischen Wahnsinns, in diesem Kosmos spüren und erahnen. Nach wenigen Minuten, die der Moog-Teppich den Hörer vertraut und bekannt sphärisch einstimmt, kommt sie endlich: die herrliche epische Synthesizer-Melodie, die den Träumenden auf einer Sternschnuppe, wie es scheint, immer weiter und immer tiefer in die Unendlichkeit des Weltraumes entführt. Wenn die orgelähnlichen Sounds deine Kirche sind, so ist das Universum deine Religion, welche man als etwas ganz Besonderes des Großen und Ganzen begreifen muss. Die immer wiederkehrende Melodie baut sich langsam immer mehr und mehr zu einer hypnotischen Manifestation der alten Berliner Schule auf, die zur Neuorientierung der gesellschaftlichen Verhaltensweisen aufzurufen scheint. Veränderung, Glaube, Liebe, Hoffnung - hervorgerufen durch eine gravitationsartige Welle, die den Reisenden zwischen Traum und Trip durch eine tiefe Geborgenheit voller Sehnsucht wärmend umarmt. Diese Art des ein wenig an alte Archive erinnernden Songaufbaus, ist im Laufe der Jahre, wie auch der große Wiedererkennungswert der fast schon Yann Tiersen- artigen Melodiebögen, zum absoluten Markenzeichen des Ausnahmekünstlers geworden, welches es hier als sehr positiv hervorzuheben gilt.

 

Karuna:
Das neueste Werk aus der Elektro- Kraut Qualitätsschmiede hat eine zentrale Message an diese Gesellschaft: Mitgefühl. Beeinflusst durch die buddhistische Geistesschulung und Ethik, sowie Aldous Huxleys Roman Eiland wird im absoluten Album-Highlight „Karuna“ auf diese, in einer von Ellenbogen dominierten Gesellschaft, nämlich der Tugend des Mitgefühls aufmerksam gemacht. Dem Hörer verspricht der Ambient-Track lounchige Tunes der Berliner Schule, eine schöne Piano-Leitmelodie mit großem Wiedererkennungswert und chilligen Beats, die Körper, Geist und Seele streicheln. Auf angenehmen grundeingestellten Kammertonfrequenzen von 432 Hertz scheint der Moog- Teppich den friedfertigen Hörer zu umarmen und in Gedanken auf die fiktive Insel Pala zu bringen, auf welcher der Protagonist von den einheimischen Mainas durch angenehmes Gezwitscher an diese der vier Grundtugenden erinnert wird.

 

Andromeda:
Mit Andromeda findet sich sogar ein kleiner, szenebekannter Hit auf dem Album, welcher vom gleichnamigen 2016 erschienenen Digitalalbum in verschiedenen Internetradiosendungen zu hören war und bereits einen gewissen Bekanntheitsgrad unter Kennern besitzt.

 

Von der Quelle bis zur Mündung:
Von der Quelle bis zur Mündung beschreibt das menschliche Sein von seiner Geburt bis zu seinem Tod als ein Fluss, in dem in allen Höhen und Tiefen gebadet werden muss. Eine nachdenkliche Tonfolge, unterlegt mit tollen blubbernden Synthies, unterstreicht mit gezielten Paukenschlägen den Flusslauf, der auf eine zentrale Message des Albums zusteuert: Egal wie hart und ungestüm dein eigener Fluss sein mag, lasse dich niemals von deinem Weg abbringen, halte Stand, lasse dich weitertreiben, und du wirst am Ende dafür belohnt werden.

 

Mensch im Universum:
Doch der kreativ konzeptionelle Ideenreichtum von Harald Gramberg beschränkt sich nicht nur auf unser irdisches Zuhause: Mit Mensch im Universum vertritt der Künstler den philosophisch interessanten sowie positiven Ansatz, dass jede Lebensform, global oder interplanetarisch ihren Platz im Universum hat und wertvoll ist, unabhängig von Herkunft oder Stand der Entwicklung.

 

Dark Hope:
Das abschließend zeitlos schöne Dark Hope ist anders. Bei diesem Stück Meditation handelt es sich um genau das fehlende Element in Grambergs Klangwelten, welches seine Musik durch den zauberhaften Gesang von Sylvia Koloski positiv ergänzt und aufwertet. Diese Überraschung stellt den Anfang einer hoffentlich noch lange anhaltenden Zusammenarbeit dar, die das Schaffen des Künstlers auf das logische nächste und ausgereiftere Level bringen wird.